Glossar

ADHS / ADS

Kinder und Jugendliche mit ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom) bzw. ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom) unterscheiden sich von anderen Gleichaltrigen in Bezug auf die Stärke und das Ausmaß von Problemen mit Aufmerksamkeit und Konzentration, Impulsivität und ausgeprägter Unruhe. Aufgrund der Symptome kommt es bei vielen Kindern- und Jugendlichen zu Schwierigkeiten, vor allem in der Schule, möglicherweise aber auch in der Familie oder mit Gleichaltrigen. 

Aggressives Verhalten / Störung des Sozialverhaltens 

Unter Störungen des Sozialverhaltens versteht man ein durchgehendes Muster von aggressivem, oppositionellem und dissozialem Verhalten vor dem Hintergrund des Entwicklungsniveaus des Kindes oder Jugendlichen. Das Verhalten ist deutlich normverletzend bzw. verletzt altersentsprechende Erwartungen, z.B. aggressives Verhalten gegenüber Menschen und Tieren, Zerstörung von Eigentum, Betrug oder Diebstahl oder schwere Regelverstöße. Es beruht nicht nur auf einzelnen (dissozialen oder delinquenten) Verhaltensweisen, sondern tritt gehäuft auf bzw. ist dauerhaft vorhanden. Beispiele, die auf ein gestörtes Sozialverhalten hinweisen, sind ein extremes Maß an Streiten oder Tyrannisieren, Grausamkeiten gegenüber anderen Menschen oder Tieren, erhebliche Destruktivität gegenüber Eigentum sowie Stehlen oder Lügen. Auch Ungehorsam schwere Wutausbrüche, Schulschwänzen oder das Weglaufen von zu Hause sind mögliche Symptome. Behandlungsbedürftig sind oppositionelle und antisoziale Verhaltensweisen, wenn sie sich über mehrere Monate regelmäßig und stark ausgeprägt zeigen oder sich negativ auf das Familienleben sowie andere soziale Bereiche, den Kindergarten, die Schule, die Berufsausbildung auswirken.

Angst / Angststörung

Es gibt keinen Menschen, der frei von Angst ist. Diese ist oft überlebensnotwendig, da sie z.B. dafür sorgt, dass Menschen auf einer hohen Klippe vorsichtig an den Rand treten, statt los zu springen.

Wenn diese Angst ein übersteigertes Ausmaß annimmt, dass den Menschen in seinem täglichen Handeln und seinem Wohlbefinden einschränkt, spricht man von einer Angststörung. Darunter fallen Panikstörung, Agoraphobie (= Angst vor bestimmten Orten, weiten Plätzen oder Menschengedränge), generalisierte Angststörung (ständiges Gefühl von Anspannung und Besorgtheit in Bezug auf alltägliche Ereignisse oder Probleme), Soziale Phobie (ausgeprägte Angst, im Mittelpunkt zu stehen und sich peinlich oder beschämend zu verhalten), Spezifische Phobien (z.B. die Angst vor Spinnen, vor engen Räumen usw.).

Anpassungsstörung

Eine Anpassungsstörung ist eine Reaktion auf ein einmaliges oder länger anhaltendes belastendes Lebensereignis (z.B. Trennung, Verlust des Arbeitsplatzes, Veränderung im Lebensumfeld, Krankheit), die sich in veränderter Stimmung (affektive Symptome) oder auch in zwischenmenschlichen Schwierigkeiten (Störung des Sozialverhaltens) ausdrücken kann. Die Anpassungsstörung charakterisiert sich durch Zustände subjektiver Bedrängnis und emotionaler Beeinträchtigungen, die sozialen Beziehungen und die Leistungsfähigkeit sind eingeschränkt, was einen hohen Leidensgrad nach sich ziehen kann.

Asperger-Syndrom

Das Asperger-Syndrom und der frühkindliche Autismus unterscheiden sich im Wesentlichen durch ihre Entwicklung. Die kommunikativen und sprachlichen Fähigkeiten von Kindern mit Asperger-Syndrom sind - im Gegensatz zu Patienten mit frühkindlichem Autismus - in den ersten drei Lebensjahren unauffällig.

Diese Form des Autismus wird daher meist erst im Vorschul- oder Schulalter deutlich. Obwohl die Kinder oft durchschnittlich intelligent sind, haben sie häufig in Kindergarten und Schule Schwierigkeiten. Sie weisen eine gestörte soziale Interaktion und stereotype Verhaltensmuster auf – in vielen Fällen aber schwächer ausgeprägt als beim frühkindlichen Autismus. In der Regel zeigen sich diese Auffälligkeiten beim gemeinsamen Spielen mit gleichaltrigen Kindern, an dem Kinder mit Asperger - Syndrom entweder kein Interesse haben oder es nach eigenen Regeln spielen wollen, so dass es oft zu Streit kommt.

In bestimmten Wissensbereichen, die das Allgemeinwissen deutlich dominieren, können Personen mit Asperger -  Syndrom häufig erstaunliche Fähigkeiten, Kenntnisse und Gedächtnisleistungen zeigen (Inselbegabung).

Autismus-Spektrum-Störung

Autismus-Spektrum-Störungen sind Entwicklungsstörungen, die u.a. durch ein reduziertes Interesse an sozialen Kontakten und einem reduziertem Verständnis sozialer Situationen gekennzeichnet sind. Innerhalb dieses Spektrums gibt es unterschiedliche Symptome, Ausprägungen und Schweregrade. Neben dem frühkindlichen Autismus (Kanner-Syndrom) zählt das Asperger - Syndrom zu diesen Störungen. 

Bulimia Nervosa (Ess- / Brechsucht)

Die Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa) ist eine Essstörung mit wiederholten anfallartigen Heißhungerattacken, bei denen in kurzer Zeit große Mengen meist besonders fett- und zuckerreicher Lebensmitteln zugeführt werden. Anschließend versuchen die Patienten sich der aufgenommenen Nahrung wieder zu entledigen – am häufigsten durch selbst ausgelöstes Erbrechen. Auch Fasten, exzessive körperliche Betätigung und der Missbrauch von Abführmitteln, Diuretika (Arzneimittel zur Ausschwemmung von Wasser) und anderen Medikamenten (z.B. Schilddrüsenhormonen) können als Gegenmaßnahmen zur Gewichtszunahme ergriffen werden. In der Regel versuchen Betroffene ihre Essattacken und das anschließende, provozierte Erbrechen zu verheimlichen.

Betroffene empfinden sich häufig als zu dick, obwohl sie in der Regel normalgewichtig sind. Fast immer geht einer Bulimie eine Diät voraus.

Die Bulimia nervosa ist eine ernsthafte psychische Störung und wird in vielen Fällen von zum Teil schwerwiegenden anderen psychischen Störungen - wie z. B. Angststörungen, affektiven Störungen, Persönlichkeitsstörungen, Belastungsstörungen, Sucht oder ADHS - begleitet. Sie entwickelt sich oft als Folgeerkrankung einer Magersucht (Anorexia nervosa).

Depression

Eine Depression im Kindes- oder Jugendalter ist eine ernstzunehmende Erkrankung. Ein Teil der Depressionen im Kindes- und Jugendalter tritt vorübergehend auf, es aber auch zu weiteren depressiven Phasen im späteren Leben kommen. Bei depressiven Störungen kann es zu schwerwiegenden Folgen für das Kind oder den Jugendlichen kommen, wie z.B. Problemen bei der Bewältigung der Schule, oder aber auch Suizidgedanken. Betroffene haben neben einem erhöhten Risiko für Substanzmissbrauch und andere psychischen Störungen auch ein erhöhtes Suizidrisiko. Der Suizid ist (nach Unfällen) die zweithäufigste Todesursache im Kindes- und Jugendalter, der überwiegende Teil der Suizide steht im Zusammenhang mit einer Depression.

Die Symptome einer Depression unterscheiden sich in den jeweiligen Altersklassen. Bei kleineren Kindern bis zu etwa sechs Jahren liegt das Schwergewicht der Symptome oft auf erhöhter Ängstlichkeit, körperlichen Beschwerden, heftigen Temperamentsausbrüchen und Verhaltensproblemen - z.B. Aggressionen, rebellisches Verhalten. Bei älteren Kindern kommen stärker Symptome wie mangelndes Selbstbewusstsein, Schuldgefühle und Gefühle der Hoffnungslosigkeit ("ist doch alles egal") zum Vorschein. Oft zeigt sich bei älteren Kindern und Jugendlichen auch eine starke und dauerhafte Gereiztheit als Symptom, das dann als „typisch Pubertät“ fehlgedeutet werden kann.  Jugendliche leiden zudem gehäuft unter Wertlosigkeitsgefühlen, Freudlosigkeit, Interessenverlust sowie Schlaf- und Appetitstörungen, Libidoverlust, Selbstverletzungen und Suizidgedanken.

Essstörung

Bei Kindern und Jugendlichen können verschiedene Formen von Essstörungen auftreten, die mitunter gefährliche Komplikationen mit sich bringen können. Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) des Robert-Koch-Instituts kam zu dem Ergebnis, dass bei etwa einem Fünftel aller 11- bis 17-Jährigen in Deutschland ein Verdacht auf eine Essstörung vorliegt. Bei jedem dritten Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren gibt es Hinweise auf eine Essstörung, bei den Jungen sind 13,5 Prozent auffällig.

Zu den häufigsten Essstörungen zählen:

Magersucht (Anorexia nervosa)

Die Magersucht charakterisiert sich durch Gewichtsverlust aufgrund der Angst vor einem zu dicken Körper. Betroffene schränken ihre Nahrungsaufnahme ein, gehen oftmals übertriebenen körperlichen Aktivitäten nach und verwenden zuweilen Appetitzügler oder Medikamente zur Entwässerung, um das Körpergewicht zu reduzieren.

Ess- und Brechanfälle (Bulimia nervosa)

Die Symptome der Bulimie unterscheiden sich von denen der Anorexia nervosa. Die Patienten verzehren große Mengen kalorienreicher Nahrung und entledigen sich den hinzugefügten, gefürchteten Kalorien durch selbst herbeigeführtes Erbrechen oder manchmal auch durch den Gebrauch von Abführmitteln. Diese Essattacken können sich mit extremen Diäten abwechseln, was zu dramatischen Gewichtsschwankungen führt. Manchmal versuchen die Betroffenen auch, das Erbrechen zu verheimlichen, indem sie lange Zeit im Badezimmer verbringen und den Wasserhahn aufdrehen. Das Erbrechen und eventuell häufiger Stuhlgang durch den Gebrauch von Abführmitteln stellen eine ernste Gefahr für die Gesundheit des Patienten dar, mit der Folge der Dehydratation (Entwässerung des Körpers), hormoneller Mangelerscheinungen und Fehlregulationen, Mangel an Mineralstoffen und Schädigung lebenswichtiger Organe. 

Adipositas

Adipositas wird als eine Erhöhung des Körpergewichtes definiert, die durch eine über das Normalmaß hinausgehende Vermehrung des Körperfettanteils bedingt ist. Adipostias stellt eine medizinische Diagnose dar, schließt dabei aber keine psychischen Erkrankungen mit ein. Sie kann jedoch mit Essstörungen (insbesondere BED) einhergehen, bezeichnet aber selbst nur das Übergewicht.

Indikation

Als Indikation bezeichnet man in der Medizin den Grund für den Einsatz einer therapeutischen oder diagnostischen Maßnahme bzw. welche medizinische Maßnahme bei einem bestimmten Krankheitsbild angebracht ist.
Bei Arzneimitteln spricht man in diesem Zusammenhang auch vom Anwendungsgebiet.

Kinder- und Jugendlichentherapie

Der allgemeine Begriff „Psychotherapie“ umfasst eine Vielzahl von Methoden und Techniken zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen, welche Schwierigkeiten mit ihren Gefühlen und ihrem Verhalten haben, ohne dies in angemessener Weise nonverbal ausdrücken oder gar verbalisieren zu können. Eine psychotherapeutische Behandlung soll diese Kinder und Jugendlichen befähigen, selbstreflexiv das eigene Dasein im Kontext von Familie, Freundeskreis und Schule etc. zu begreifen. Obwohl es ganz unterschiedliche Ansätze in der Psychotherapie gibt, stehen vor allem Kommunikations- und Interaktionsmuster im Mittelpunkt des Interesses, gleich, ob in der therapeutischen Situation ein einzelnes Kind, eine Gruppe von Kindern, eine Familie oder mehrere Familien anwesend sind. Vor allem bei jüngeren Kindern und Jugendlichen helfen dem Therapeuten neben dem Sprechen auch Spielen, Zeichnen, Bauen und andere Formen konkreten Tuns, um Gefühle und Probleme besser zu verstehen und Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln. In diesem Rahmen kann eine stabile Beziehung zwischen Psychotherapeut und Patient entstehen. Diese therapeutische Beziehung ist Grundlage dafür, dass das Kind oder der Jugendliche sich wohl, sicher und verstanden fühlt, um seine Gedanken und Gefühle ausdrücken zu können. Indem in einer psychotherapeutischen Situation Kinder und Jugendliche eine emotionale Unterstützung erhalten, können sie sich seelisch stabilisieren, selbst mehr Empathie entwickeln und somit auch neue Wege lernen, um eigene und zwischenmenschliche Konflikte besser zu lösen. Dies sind wichtige Grundlagen, um beispielsweise eine Veränderung im eigenen Verhalten zu erlangen oder qualitativ verbesserte Beziehungen mit Familienmitgliedern und Freunden eingehen zu können.

In der Psychotherapie wird speziell auf den Entwicklungs- bzw. Reifegrad des Kindes oder Jugendlichen eingegangen. Bei allen Verfahren und Methoden stehen vor allem Kommunikations- und Interaktionsmuster im Fokus. Für den behandelnden Therapeuten ergeben sich folgende charakteristischen Leitfragen:

  • Wie ist der Entwicklungsstand des Kindes bzw. des Jugendlichen in Bezug auf die Entwicklungsaufgaben?
  • Welches Bewusstsein hat das Kind oder der Jugendliche bezüglich seiner Erkrankung?
  • Welche Ressourcen sind verfügbar?
  • Mit welcher entwicklungsangepassten Therapieform sind diese Ressourcen auszuschöpfen?

Eine psychotherapeutische Behandlung  ist immer ein komplexer Vorgang, bei dem in der Regel neben dem Kind oder Jugendlichen auch das unmittelbare Umfeld von Familie und Freunden einbezogen werden muss. Die Psychotherapie und die Erziehung stellen dabei keine gegensätzlichen Pole dar, sondern ergänzen sich in der psychotherapeutischen Behandlung mit Kindern und Jugendlichen. Ziele und Mittel beider Zugangsweisen zum Kind oder Jugendlichen sollten immer aufeinander abgestimmt werden.

Methoden systemischer Therapie und Beratung

Der Kern systemischen Arbeitens ist die systemische Grundhaltung, die Menschen in ihren Systemzusammenhängen in den Blick nimmt und eine kooperative, gleichberechtigte Beziehung zwischen allen Beteiligten einer Therapie oder Beratung sucht. Zentrales Arbeitsmittel systemischer Praxis ist der öffnende Dialog. Den Klienten/-innen gegenüber bemüht man sich um eine Haltung des Respekts, der Unvoreingenommenheit, des Interesses und der Wertschätzung bisheriger Lebensstrategien und Verhaltensweisen. Dem ist der jeweilige Einsatz von Arbeitsmitteln und Handlungsstrategien nachgeordnet. Zur systemischen Methodik lässt sich das gesamte Spektrum des in den vergangenen fünf Jahrzehnten in Familientherapie und Systemischer Therapie entstandenen Instrumentariums zählen, z.B.:

Verstörung von Mustern

Die Systemisch Therapie forscht weniger nach den Ursachen einer Störung, sondern betrachtet viele Probleme als „Muster“, als eine – wie auch immer zustande gekommene – Form des zwischenmenschlichen Miteinanders. An die Stelle der „Behandlung der Ursachen“ tritt damit die Idee, das gewohnte Muster des Umgangs zu unterbrechen, zu „verstören“, so dass es nicht mehr so wie gewohnt ablaufen kann. Wenn etwa in der Beratung eine Mutter gebeten wird, ihrem Kind das Stottern „beizubringen“, da der Berater unbedingt das „Vollbild“ sehen müsse, ehe er einen Vorschlag für die Behandlung machen könne, werden die gewohnten Abläufe in der Familie auf den Kopf gestellt. Statt ständig das Kind zu ermahnen, sich doch zu konzentrieren, langsamer und ohne Stottern zu reden, wird nun ein neues Muster nötig, in dem eine Chance steckt, dass sich die Interaktionen um ein Problem herum völlig verändern.

Ausnahmen und „Möglichkeitssinn“

Das empathische Eingehen auf das Leiden von Menschen hat eine lange Tradition in der Beratungstätigkeit.. Wir haben viele Formen entwickelt, wie wir das Leid von Menschen verstehend nachvollziehen, dass wir manchmal vergessen, genauso empathisch für die in ihnen liegenden Möglichkeiten zu sein. In der systemischen Praxis wird dieser Entdeckung des Raumes von Möglichkeiten eine besondere Bedeutung beigemessen: wenn etwa beklagt wird, dass man im Team „nicht mehr miteinander reden könne“, wird sofort gefragt: „Wann war es denn das letzte Mal, dass es eine Ausnahme gab und Sie sich gut verstanden haben?“ – nicht selten war es „gestern“.

Zirkuläres / konstruktives Fragen

Zirkuläres Denken unterscheidet sich vom linear kausalen Denken, das auf nachvollziehbare Ursachen-Wirkungsbeziehungen abzielt. Zirkulär fragen heißt „um die Ecke fragen. Eine zirkuläre Frage (auch: triadische Frage) ist eine Technik, die darin besteht, die Gefühle und Reaktionen, die eine Person A infolge des Verhaltens von B entwickelt, nicht direkt von Person A zu erfragen, sondern von einer dritten Person C. Beispiel: „Sag mal Hans, was glaubst du, was deine Mutter fühlt, wenn sie deinen Vater so weinen sieht?“. Die Frage setzt voraus, dass es hier etwas Wahrnehmbares aus dem Bereich der Emotionen gibt. Hans wird die kommunikative Fähigkeit zugeschrieben, seine Wahrnehmung darzustellen. Sollte Hans also noch nie über Gefühle innerhalb dieses Systems gesprochen haben, hätte er heute die erste Gelegenheit dazu und würde den Spielraum der möglichen Kommunikation innerhalb des Systems ausdehnen.

Selbstreflexiver Dialog

Eine andere Möglichkeit, Ratsuchende auf die „Metaebene“ (von „außen“ auf sich selbst schauen) einzuladen, ist der selbstreflexive Dialog: die beratende Person äußert auf wertschätzende Weise eigene Gedanken mit den Fürs und Widers, die einzelne Sichtweisen und Lösungswege beinhalten könnten. So kann sich die ratsuchende Person ohne Entscheidungsdruck an verschiedene Möglichkeiten herantasten.

Externalisierung

Der Konflikt bzw. das Problem einer Person bzw. einer Gruppe wird grammatikalisch in der dritten Person  ausgesprochen („Wo lässt ‚es ‚Sie gegen Ihren eigenen Willen handeln?“) bzw. durch Figuren, Gegenstände etc. symbolisiert. Damit wird Distanz zum Problem und somit ein klarerer Blick darauf ermöglicht.

Die gewohnte Erzählung über das Problem wird „dekonstruiert“ und eine neue Erzählung wird angeregt, welche diejenigen Lebenserfahrungen hervorhebt, die durch die bis dahin dominierende Geschichte verdeckt wurden.
Abschlussinterventionen und „Verschreibungen“

Den Ratsuchenden werden Resümees, Handlungsvorschläge oder Aufgaben mit auf den Weg gegeben, die an Vertrautem anknüpfen, aber gleichzeitig die bisherigen Muster verstören. Das Verhalten der Mitglieder eines Systems soll für eine kurze Zeit unvorhersagbar werden, um so die Entwicklung neuer Muster zu ermöglichen.

Rituale

Rituale als gemeinsame, sinnstiftende Handlungen verbinden die daran beteiligten Menschen und schaffen eine hohe Verbindlichkeit und Nachhaltigkeit. Rituale einer Gruppe von Menschen können deren Selbstverständnis verdeutlichen. Mit deren Veränderung wird ein neues Selbstverständnis dokumentiert.

Rituale können im therapeutischen und beraterischen Prozess auch genutzt werden, um eine alte Struktur innerhalb eines geschützten Rahmens in eine neue zu überführen.

Metaphern und Geschichten

Mit Metaphern und Geschichten beschreiben Menschen ihr Erleben. Diese tragen zur Konstruktion unserer Wirklichkeit bei und wirken gleichzeitig auf das Erleben ein. Ihre Bildhaftigkeit ermöglicht, komplexe Themen in ihrer Gleichzeitig darzustellen.
Im therapeutischen und beraterischen Arbeiten kann das Ausmalen und Verändern der Metaphern und Geschichten auf sehr greifbare Weise Sinn- und Möglichkeitskonstruktionen verändern.

Genogramm, Skulpturarbeit, Aufstellungen

Im systemischen Arbeiten wird häufig anschaulich gearbeitet. So kann in einem Genogramm z.B. die Herkunftsfamilie bildlich dargestellt werden. Hierdurch werden Beziehungen und ggf. auch Beziehungsmuster deutlich, die bisher nicht bewusste Einflüsse auf ein als problematisch empfundenes Verhalten hatten.

Ein weiterer Schritt in der Darstellung besteht darin, Beziehungen nicht nur als Zeichnung zu veranschaulichen, sondern auch räumlich wahrnehmbar zu machen. In einer Aufstellung z.B. wird eine Person aufgefordert, sich selbst und die anderen so im Raum zu platzieren, wie sie die Beziehungsmuster wahrnimmt (z.B. wer steht wem nah, wer schaut wen an?). Bei einer Skulptur können zusätzlich wahrgenommene Beziehungscharakteristika eingebracht werden (z.B. wer ist „oben“, wer „unten“, wer nimmt wem gegenüber welche Körpersprache ein? usw.). Es können auch stellvertretend Figuren aller Art aufgestellt werden (z. B. im Einzelsetting). Hier fehlt dann die Rückmeldung der Stellvertretenden, doch die Sicht der aufstellenden Person bleibt erhalten.
Zur Distanzierung von der Familienaufstellung nach Hellinger siehe: https://www.dgsf.org/themen/berufspolitik/hellinger.htm

Mutismus

In der ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird der elektive oder auch selektive Mutismus als deutlich emotional bedingte Selektivität des Sprechens beschrieben.

Das heißt, ein Kind spricht in bestimmten Situationen (z.B. innerhalb der Familie), und in anderen, genau definierten Situationen, wiederum nicht. Dabei können beim Kind üblicherweise auch bestimmte Persönlichkeitsmerkmale wie Sozialangst, Rückzug, besondere Empfindsamkeit oder Widerstand gefunden werden.

Diese Verhalten beruht nicht auf fehlenden Kenntnissen der gesprochenen Sprache, die in der sozialen Situationen benötigt wird oder darauf, dass der Betroffene sich in dieser Sprache nicht wohlfühlt.In einigen sozialen Situationen spricht das Kind fließend, in anderen sozialen Situationen bleibt es jedoch stumm oder fast stumm. Die sozialen Situationen, in denen gesprochen bzw. nicht gesprochen wird, sind vorhersehbar, häufig wird statt des Sprechens nicht-sprachliche Kommunikation (in der Außenwelt) wie z.B. Mimik, Gestik eingesetzt.

Die Kinder verfügen über altersentsprechende Kompetenz im sprachlichen Ausdruck, Sprachverständnis und die Fähigkeit zu Sprechen. 

Psychoanalyse

Im engeren Sinn ist die Psychoanalyse ein psychotherapeutisches Behandlungsverfahren. Im Unterschied zu übenden bzw. trainierenden Verfahren (wie Verhaltenstherapie) zählt sie zu den aufdeckenden Therapien, die versuchen, dem Patienten ein vertieftes Verständnis der ursächlichen (meist unbewussten) Zusammenhänge seines Leidens zu vermitteln. Dabei ist das wesentliches Ziel einer psychoanalytischen Therapie eine weitergehende Umstrukturierung der Persönlichkeit und insbesondere des Gefühlslebens in denjenigen Bereichen, die zur Aufrechterhaltung psychopathologischer Elemente (Symptome, Persönlichkeitseigenschaften) beitragen.

Die klassische Psychoanalyse findet in drei bis fünf Sitzungen von je 50 Minuten Dauer pro Woche statt, oft über mehrere Jahre. Der Patient liegt auf einer Couch und sagt möglichst unzensiert alles, was ihn gerade bewegt bzw. ihm durch den Sinn geht (freies Assoziieren). Der Analytiker sitzt hinter ihm, hört mit einer Haltung „gleichschwebender Aufmerksamkeit“ zu und teilt dem Patienten die während des psychoanalytischen Prozesses gewonnenen Erkenntnisse mit („Deutung“), wann immer er es für günstig hält. Insbesondere bemüht sich der Analytiker, die sich in der Beziehung zu ihm einstellenden Übertragungen typischer emotionaler Muster bzw. Motive des Patienten aufzuspüren, und ihre Bedeutung innerhalb der Psychodynamik des Patienten zu interpretieren, um sie einer Veränderung zugänglich zu machen („Übertragungsanalyse“). Auch die Traumanalyse kommt während der analytischen Behandlung zur Anwendung.

Psychotherapie

Unter Psychotherapie allgemein versteht man die Behandlung verschiedener seelischer Probleme. Dazu zählen Störungen der Wahrnehmung, des Verhaltens, der Erlebnisverarbeitung, der sozialen Beziehungen und der Körperfunktionen. Störungen auf der seelischen Ebene können Depressionen, Ängste, Essstörungen, Suchtverhalten, Zwangserkrankungen und auffälliges Verhalten auslösen. In der Psychotherapie werden unterschiedliche Methoden angewandt, um auf die psychischen und psychosomatischen sowie Lebenskrisen eines Menschen positiven Einfluss zu nehmen. Dabei werden beim Klienten die emotionale, kognitive, leibliche sowie die lerntheoretische Ebene berücksichtigt.

Die Wirkfaktoren von Psychotherapie sind empirisch nachgewiesen und hängen in erster Linie ab von der Qualität der therapeutischen Beziehung zwischen Klient und Therapeut, der Offenheit und der engagierten Mitarbeit des Klienten, der Mobilisierung von Hoffnung, der Überzeugung des Therapeuten helfen zu können, der Konfrontation mit den Problemen, der gemeinsamen Suche nach konstruktiven Lösungen, der korrigierenden Erfahrungen außerhalb der Therapie und dem Angebot eines Erklärungsmodells, welches dem Klienten ermöglicht, neue Bedeutungszusammenhänge für seine Situation zu erschließen.

Psychische Erkrankung / Seelische Störung

Eine psychische oder seelische Störung ist ein Zustandsbild, das durch krankheitswertige Veränderungen des Erlebens und Verhaltens gekennzeichnet ist. Es kann mit Abweichungen der Wahrnehmung, des Denkens, Fühlens oder auch des Selbstbildes (Selbstwahrnehmung) einhergehen. Typischerweise sind psychische Störungen mit deutlichem persönlichem Leidensdruck bzw. Belastungen und Problemen in mehreren Lebensbereichen verbunden. 

Ein wesentlicher Bestandteil dieser Störungen ist zudem oft eine verminderte Selbstregulationskompetenz. In diesem Fall können die Betroffenen ihre Erkrankung auch durch verstärkte Bemühungen, Selbstdisziplin oder Willenskraft nur schwer oder gar nicht beeinflussen. Folgen der psychischen Symptomatik sind meist Probleme, den Alltag zu meistern, oder beeinträchtigte soziale Beziehungen(z. B. durch Schwierigkeiten, soziale Rollen wie vorher auszufüllen). 

Psychische Störungen treten in vielfältigen Erscheinungsformen auf und gehören zu den weitverbreitetsten Erkrankungen: nach der  Weltgesundheitsorganisation sind weltweit etwa 300 Millionen Menschen von Depressionen, 47,5 Millionen von Demenz und 21 Millionen von Schizophrenie betroffen. 

Selbstwirksamkeit

Als Selbstwirksamkeit bezeichnet man in der kognitiven Psychologie die Überzeugung einer Person, auch schwierige Situationen und Herausforderungen aus eigener Kraft erfolgreich bewältigen zu können.

Somatoforme Störung

Somatoforme Störungen sind körperliche Beschwerden, die sich nicht oder nicht hinreichend auf eine organische Erkrankung zurückführen lassen. Kennzeichnend ist eine intensive Fixierung auf bestimmte körperliche (somatische) Symptome, die zu erheblichem Leid führen und die alltägliche Lebensführung beeinträchtigt. 

Systemische Therapie

In der Systemischen Therapie werden seelische Erkrankungen bzw. Symptome nicht als Erkrankungen eines Einzelnen, unabhängig von dessen Kontext und den sozialen Beziehungen, verstanden, sondern im Zusammenhang mit dem jeweiligen Systems (z.B. der Familie, Freunde, Arbeitskollegen) in das der Einzelne eingebettet ist, betrachtet. Die Aufgabe des Therapeuten ist es, den Patienten dabei zu unterstützen, seine Probleme und Schwierigkeiten, Konflikte und Gefühle sichtbar zu machen, und andere Perspektiven zu verstehen bzw. einnehmen zu können. Dies ermöglicht dem Patienten, alte Muster zu erkennen, und diese, auch unter Einbeziehung des Systems, neu zu bewerten bzw. andere Umgänge mit diesen zu finden. Dabei arbeitet die systemische Therapie mit vielen unterschiedlichen Methoden, bestimmten Fragetechniken, Rollenspielen, kreativen Techniken, Geschichten usw. Der Fokus liegt dabei auf den vorhandenen Ressourcen des Patienten und der Lösung seiner Schwierigkeiten und Konflikte.

Schulvermeidung (Schulangst, Schulphobie) und Schulschwänzen

Die Gründe, warum Kinder nicht in die Schule gehen, sind nicht einheitlich, sondern beruhen auf verschiedenen Ursachen und Hintergründen. Grundsätzlich unterscheidet man zwei verschiedene Ursachenkomplexe, die zum Fernbleiben vom Unterricht, also zur Schulvermeidung, führen können: Schulverweigerung und Schulschwänzen.

Die Schulverweigerung kann weiter unterteilt werden in Schulangst und  Schulphobie: Schulverweigerung und Schulschwänzen haben unterschiedliche Hintergründe.

Normalerweise ist der Schulbesuch für Kinder eine aufregende und interessante Angelegenheit, aber für einige von ihnen der Grund für Angst oder Panik (Schulangst und Schulphobie). Ursachen hierfür können sein, dass das Kind aus Sorge vor nicht erfüllbaren Leistungsanforderungen oder Angst vor sozialen Kontakten den Schulbesuch scheut. Oder die Ursachen liegen im häuslichen Milieu, zum Beispiel in Trennungsschwierigkeiten vom Elternhaus, begründet. 

Durch sein Fernbleiben vom Unterricht vermeidet der Schüler eine negativ besetzte Situation bzw. entflieht ihr. Lästiges kann so abgewehrt, Bedrohliches vermieden oder Selbstwert geschützt werden. Das bringt ihm vorübergehend eine gefühlsmäßige Erleichterung. Dann allerdings treten Schuldgefühle hinzu, da er die Erwartungen von Lehrern und Eltern (und evtl. auch die eigenen) nicht mehr erfüllen kann. Dadurch entsteht zusätzliches Unbehagen oder noch mehr Angst vor der Rückkehr in die Schule und den zu erwartenden Reaktionen von verärgerten Lehrern oder spottenden Mitschülern. Insofern ist Schulverweigerung ein Verhalten, das sich immer weiter selbst verstärkt. Ist das Verhaltensmuster einmal entstanden, kann es sehr stabil sein. Der Schüler steckt in einem Teufelskreis.

Die möglichen Langzeitfolgen für ein Kind, das immer Ängste hat und keine adäquate Hilfe bekommt, sind schwerwiegend. Wenn es nicht zur Schule geht und für längere Zeit von seinen Freunden getrennt ist, kann das Kind schwere schulische und/oder soziale Probleme entwickeln. Für die Eltern und das Kind kann es dann sehr hilfreich sein, einen Kinder- und Jugendpsychiater und Psychotherapeuten aufzusuchen. Schulschwänzen hat im Gegensatz zu den zuvor genannten Angststörungen nicht primär mit Angst zu tun, sondern es kann sich um eine vorübergehende Verhaltensweise handeln, Unlust oder um ein Symptom im Rahmen einer Störung des Sozialverhaltens. 

Suizidalität (Suizidabsichten und Suizidversuche) 

Bei einer Suizidankündigung oder einem Suizidversuch von Kindern und Jugendlichen steht häufig nicht der Wunsch zu sterben im Vordergrund, sondern die Vorstellung, so wie bisher nicht weiterleben zu können. Die Zeit des Heranwachsens ist eine schwierige Phase, in der Kinder und Jugendliche ständig mit Veränderungen, neuen Anforderungen und Krisen zurechtkommen müssen. Gelingt ihnen dies nicht, sehen sie den Tod manchmal als Ausweg. Doch meist ist eine Suizidandrohung oder der Suizidversuch eher ein Hilfeschrei und die verzweifelte Suche nach Zuwendung.

Der Weg zum Suizid oder -versuch kann als ein kontinuierliches Verhalten beschrieben werden. Oftmals beginnt es mit dem Wunsch nach Ruhe, einer Unterbrechung des Lebens, steigert sich in Todeswünsche, Suizidgedanken und -pläne, bis es schließlich zur selbstschädigenden bis lebensbedrohlichen Handlung kommt. Die Sehnsucht nach Ruhe, Todeswünsche und Suizidgedanken ohne konkrete Planung kennen ca. 25% der Jugendlichen. Suizidabsichten und -pläne sind hingegen fast immer Ausdruck einer starken selbst erlebten Not. Ein Mensch, der sich innerlich fest entschlossen hat sterben zu wollen, steckt in einer akuten lebensbedrohlichen Krise. Bei den meisten Jugendlichen hält dieser Zustand nur über einen kurzen Zeitraum an.

Suizidankündigungen sollten generell ernst genommen werden und müssen für Eltern, Freunde und andere Kontaktpersonen immer ein alarmierendes Warnzeichen sein. Denn die Ernsthaftigkeit eines Suizidversuchs ist oft schwer abzuschätzen. Dies gilt besonders bei Kindern. Hier ist dringend die umgehende Vorstellung in der zuständigen Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie notwendig, damit das Risiko durch einen Facharzt eingeschätzt wird und, falls nötig, Maßnahmen eingeleitet werden können.

Tic-Störungen / Tourette-Syndrom

Tics, ein häufiges Symptom bei Kindern, sind unwillkürliche, nicht zweckgebundene Bewegungen und/oder Lautäußerungen. Sie werden entsprechend ihrer Ausprägung in motorische oder vokale Tics sowie in einfache oder komplexe Tics unterteilt.

Motorische Tics sind abrupt einsetzende und mitunter sehr heftige Bewegungen, die unwillkürlich ablaufen und nicht zweckgebunden sind. Die Bewegungen laufen oft wiederholt in immer gleicher Weise ab, sind aber nicht rhythmisch. Sie können einzeln oder in Serie auftreten. Insbesondere bei schweren Ausprägungen können komplexe (kombinierte) motorische Tics auftreten, bei denen mehrere Muskelgruppen beteiligt sind oder bei denen scheinbar zweckgerichtete Bewegungen ausgeführt werden, wie beispielsweise Hüpfen, Drehungen oder Aufstampfen. Besondere Formen komplexer motorischer Tics sind die Kopropraxie und die Echopraxie. Motorische Tics finden sich am häufigsten im Gesicht und am Kopf, sie können sich z.B. in Form von Augenblinzeln, Kopfrucken und Schulterrucken äußern.

Vokale Tics stellen sich durch das unwillkürliche Äußern von Lauten und Geräuschen dar, wie beispielsweise Räuspern, Schniefen, Grunzen, Quieken und in seltenen Fällen lautem Schreien. Besondere Formen der komplexen vokalen Tics sind die Koprolalie, die Echolalie und die Palilalie. Treten komplexe vokale und multiple motorische Tics kombiniert auf, spricht man von dem so genannten Tourette-Syndrom. Hierunter fallen auch Tic-Störungen, die mehrmals täglich, ohne Rückbildung (Remission) über die Dauer eines Jahres (= chronische Tic-Störung) auftreten und sich vor dem 18. Lebensjahr manifestiert haben. 

Trauma

Der Begriff Trauma (griech.: Wunde) lässt sich bildhaft als eine "seelische Verletzung" verstehen, zu der es bei einer Überforderung der psychischen Schutzmechanismen durch ein traumatisierendes Erlebnis kommen kann. Als traumatisierend werden im Allgemeinen Ereignisse wie schwere Unfälle, Erkrankungen und Naturkatastrophen, aber auch Erfahrungen erheblicher psychischer und körperlicher Gewalt sowie schwere Verlust- und Vernachlässigungserfahrungen bezeichnet. 

In den medizinischen Klassifikationssystemen wird ein Trauma definiert als ein Ereignis, das objektiv "mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß" einhergeht oder den„tatsächlichen oder drohenden Tod, tatsächliche oder drohende ernsthafte Körperverletzung oder eine Bedrohung der körperlichen Unversehrtheit von einem selbst oder Anderen" einschließt, und subjektiv "bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde“ beziehungsweise mit "starker Angst, Hilflosigkeit oder Grauen" erlebt wurde.

Als traumatisch erlebte Ereignisse können bei fast jedem Menschen eine tiefe seelische Erschütterung mit der Folge einer Überforderung des angeborenen biologischen Stresssystems verursachen. Somit wirkt sich ein Trauma nicht nur seelisch, sondern auch körperlich aus. Die Überflutung des Gehirns im Rahmen einer überwältigenden Stressreaktion behindert  die angemessene Verarbeitung des Erlebten mit der Folge, dass der Betroffene die gemachte Erfahrung nicht wie gewohnt in seinen Erlebnisschatz integrieren und dann wieder Abstand davon gewinnen kann. Dieser Umstand kann dazu führen, dass der Organismus auf einem erhöhten Stressniveau verharrt und charakteristische Folgebeschwerden entwickelt.  

Traumatisierende Erlebnisse können Spuren in der Psyche eines Menschen hinterlassen. Dies geschieht meist unabhängig von den individuellen Fähigkeiten der Betroffenen, Krisensituationen zu meistern. Posttraumatisches Stresserleben ist nicht unnormal oder ein Zeichen von Schwäche, sondern ein Signal dafür, dass das Gehirn bemüht ist, Erlebtes zu verarbeiten. Es ist eine natürliche Reaktion des Körpers und der Psyche auf eine zutiefst belastende Erfahrung.

Wie gut ein Trauma verkraftet und verarbeitet werden kann, hängt von vielen Faktoren ab. Hier spielen die individuelle Lebensgeschichte sowie das persönliche Befinden zum Zeitpunkt des traumatischen Geschehens ebenso eine Rolle wie bestehende Umgebungsfaktoren, Risiko- und Schutzfaktoren, aber auch die Schwere und Dauer der Traumatisierung. Glücklicherweise legen sich bei den meisten Menschen die posttraumatischen Beschwerden nach einer Weile von allein. und der Betroffene kann das Erlebte zurücklassen, ohne dass es ihn in seinem weiteren Leben bedeutend beeinträchtigt. Wirken jedoch mehrere belastende Faktoren zusammen, können die posttraumatischen Symptome fortbestehen, obwohl das traumatische Ereignis bereits Wochen oder Monate, zum Teil auch Jahre zurückliegt. Bei diesen Personen spricht man dann von einer Traumafolgestörung bzw. eine Posttraumatischen Belastungsstörung.

Tiefenpsychologisch fundierte Therapie

Die tiefenpsychologisch fundierten Verfahren, sind sehr verbreitete Therapieformen. Sie werden über das gesamte Spektrum von neurotischen, psychotischen und psychosomatischen Störungen angewendet.

Die therapeutischen Prinzipien haben sich vor allem aus der psychoanalytischen Praxis entwickelt. Der Schwerpunkt der Behandlung liegt auf Konflikten und Entwicklungsstörungen, die in der aktuellen Lebenssituation des Patienten auftreten. Die ausführliche Bearbeitung zugrunde liegender Ursachen solcher Konflikte und Störungen, die aus der weiteren Vergangenheit, insbesondere aus der frühen Kindheit der Patienten stammen, spielt bei den tiefenpsychologisch fundierten Verfahren keine zentrale Rolle. Die psychoanalytischen Konzepte von Unterbewusstsein, Widerstand, Übertragung und Gegenübertragung werden von tiefenpsychologisch fundierten Therapeuten beachtet, bilden jedoch nicht den Schwerpunkt der therapeutischen Arbeit. In der therapeutischen Praxis arbeiten Patient und Psychotherapeut zielorientiert, die Ziele und Schwerpunkte werden vor und während der Behandlung miteinander besprochen.

Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie wurde v.a. in den USA aus der Lerntheorie entwickelt. Der Kerngedanke ist, dass (problematisches) Verhalten erlernt wurde und auch wieder "verlernt" werden kann, bzw. neue, angemessenere Verhaltensmuster erlernt werden können. Seitdem wurde die Verhaltenstherapie in vielerlei Weise weiterentwickelt, vor allem mit kognitiver Elementen, d.h. es werden nun stärker das Erleben, die Gedanken und Gefühle der Patienten/Klienten mit einbezogen.

Typische Elemente einer Verhaltenstherapie sind z.B. Problem- und Bedingungsanalysen für eine genaue Diagnose und Klärung des Problems. Die Arbeit ist Ziel- und Lösungsorientiert, häufig werden Verhaltensübungen eingesetzt, die sowohl offen (in der Sitzung oder als Hausaufgaben) oder auch verdeckt, d.h. nur in der Vorstellung der Patienten/Klienten durchgeführt werden können. Klassische therapeutische Techniken der Verhaltenstherapie sind Konfrontation mit beispielsweise angstauslösenden Reizen (z.B. Exposition, systematische Desensibilisierung), Verstärkung ("Belohnung") von erwünschten und Löschung ("Nichtbeachtung") unerwünschten Verhaltens.

Zwang / Zwangserkrankung

Eine Zwangserkrankung ist eine psychische Störung, deren wesentliche Kennzeichen wiederkehrende unerwünschte Gedanken und/oder und zwanghafte Handlungen sind, die den Betroffenen immer wieder stereotyp beschäftigen. Zwanghafte Vorstellungen oder Handlungen kennen die meisten Menschen von sich selbst, z.B. das Prüfen, ob die Tür wirklich geschlossen ist, obwohl man eigentlich weiß, dass man sie gerade erst abgeschlossen hat. Von einer Zwangserkrankung oder Zwangsstörung spricht man erst, wenn sich derartige Verhaltensweisen andauernd wiederholen und ein solches Ausmaß annehmen, dass der Betroffene daran leidet und/oder der Alltag beeinträchtigt ist.

Zu dieser Krankheit gehören in der Regel Zwangsgedanken und Zwangshandlungen. Zwangsgedanken sind Vorstellungen, Gedanken oder Impulse, die der Betroffene als unsinnig oder übertrieben erkennt, die also nicht seine eigene Meinung wiedergeben, die sich ihm aber dennoch immer wieder aufdrängen. Sie lösen unangenehme Gefühle wie Ängste, Unbehagen oder Ekel aus. Zwangshandlungen sind sich wiederholende Verhaltensweisen, die oft immer gleich ablaufen müssen und zu denen sich der Betroffene gedrängt fühlt, obwohl er sie als übertrieben oder sinnlos erkennt. Zwangshandlungen haben oft zum Ziel, Ängste, Unbehagen oder Ekel zu verringern, welche durch Zwangsgedanken ausgelöst worden sind.

Im Gegensatz zu Erwachsenen ist Kindern die Unsinnigkeit ihres Verhaltens meistens nicht bewusst.